ROLAND VONTOBEL Text // WERNER MEIER Illustration
Wer im Spätherbst über Wiesen wandert, trifft immer wieder auf die violetten Blüten der Herbstzeitlosen (Colchicum). Diese Pflanze tanzt mit ihren Blüten im Spätherbst aus der Reihe und verhält sich aussergewöhnlich. Der kleine Fruchtknoten, der aus der verwelkten Blüte entsteht, zieht sich langsam in die Erde zurück. Und zwar so tief, dass ihm der Frost des Winters nichts anhaben kann. Anhand des Verhaltens der Herbstzeitlosen können wir prognostizieren, wie hart der Winter wird. Ist der Fruchtknoten 10 Zentimeter in der Erde, gibt es einen milden Winter. Sind es 15 oder 18 Zentimeter, ist viel Schnee und Kälte zu erwarten. Diese Fähigkeiten der Pflanze und die Zuverlässigkeit der Prognose bringen uns immer wieder zum Staunen.
Die Herbstzeitlose ist ein mehrjähriges Liliengewächs und bildet im Frühjahr saftige, grüne Blätter, die giftig sind und mit dem Bärlauch verwechselt werden können. In früheren Zeiten war die Herbstzeitlose Bestandteil eines Geheimmittels gegen Gicht. Mit dem Essen der Pflanzenzwiebel versprach man sich zudem eine Linderung der Beschwerden von Asthma, Rheuma und Wassersucht (Ansammlung von Flüssigkeit im Körpergewebe). Da die Pflanze sehr giftig ist, gehört der Gebrauch allerdings in die Hand eines Fachmanns. In der Homöopathie wird aus den frischen Herbstknollen eine Urtinktur hergestellt, die dann weiter potenziert und verdünnt wird. In dieser Form fällt die Giftwirkung weg, und die Tinktur kann gut dosiert eingenommen werden. Noch heute schätzt man Colchicum als bewährtes Mittel bei Gichtanfällen. Gicht äussert sich durch rote, heisse und geschwollene Gelenke – jede Bewegung tut weh. Meist verstärken sich die Beschwerden gegen Abend und in der Nacht, oft werden sie von Wassersucht und geringer Harnabgabe begleitet. Die Schmerzen werden als blitzartig empfunden und gehen tief in die Gelenke und Knochen. Kälte und Berührungen mit Druck können sie zusätzlich verschlimmern. Psychisch liegt eine grosse Erschöpfung und körperlich eine grosse Schwäche vor, was oft bei rheumatischen Erkrankungen geschildert wird.
Da die Pflanze als letzte im Jahr blüht, wird oft abgeleitet, dass vor allem auch ältere, an Gicht und Rheuma leidende Menschen gut auf die heilende Wirkung der Herbstzeitlosen ansprechen. Die Abgabe von Colchicum erfolgt in Form homöopathischer Tropfen (3 x 20 täglich) oder als Trifloris-Essenz 3 x 5 Tropfen.