Schöllkraut liebt Menschensiedlungen

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ROLAND VONTOBEL Text // WERNER MEIER Illustration

Das Schöll­kraut (Che­l­i­do­ni­um majus L.) ist in ganz Euro­pa anzu­tref­fen und zwar immer in der Nähe von mensch­li­chen Sied­lun­gen, auf Schutt­plät­zen, an öden Stel­len und in Mau­er­rit­zen. Gros­se Pflan­zen­be­stän­de in Wäl­dern oder Wie­sen kön­nen auch Hin­wei­se für frü­he­re mensch­li­che Sied­lun­gen sein. So wur­den schon alte Mau­ern aus der Römer­zeit wiederentdeckt.

Die Pflan­ze leuch­tet uns im Früh­jahr mit ihren gold­gel­ben Blü­ten ent­ge­gen, und wenn wir ein Blatt abbre­chen, quillt röt­lich-gel­ber Milch­saft her­vor. Gera­de die­ses Aus­se­hen und der far­bi­ge Milch­saft ver­hal­fen der Pflan­ze aus der Mohn­ge­wächs­fa­mi­lie schon im Alter­tum zu gros­sem Anse­hen. Dazu kommt ihre hei­len­de Wir­kung bei Leber-und Gal­len­lei­den. Johann Gott­fried Rade­ma­cher, ein bekann­ter Arzt aus dem 19. Jahr­hun­dert, berei­te­te aus dem frisch gepress­ten Saft der gan­zen Pflan­ze eine Tink­tur zu, mit der er Gelb­sucht in einem Drit­tel der übli­chen Zeit heilte.


Da der Milch­saft des Schöll­krauts in grös­se­ren Men­gen gif­tig ist, soll­te man die ange­ge­be­nen Dosie­run­gen nicht über­schrei­ten. Heut­zu­ta­ge wer­den Schöll­kraut­prä­pa­ra­te bei Gal­len­stau­un­gen und Krämp­fen ver­wen­det. Die Stö­run­gen tre­ten in der Regel auf der rech­ten Sei­te auf. Aus­ser­dem kön­nen Fern­wir­kun­gen mit Schmer­zen unter dem rech­ten Schul­ter­blatt auf­tre­ten, eben­so Gesichts­schmer­zen rechts über dem Auge bis zum Ohr aus­strah­lend. Der Stuhl­gang ist gold­gelb gefärbt und eher durch­fall­ar­tig. Auch der Urin kann gold­gelb oder bräun­lich sein. War­me Zim­mer und war­me Geträn­ke ver­bes­sern die Beschwer­den, wohin­ge­gen Käl­te, Wet­ter­wech­sel und Berüh­rung ver­schlech­tern. Auch die Zun­ge hat einen gelb­li­chen Belag.

Ver­wen­det wird das Schöll­kraut als Milch­saft äus­ser­lich bei War­zen oder zur Seh­kraftstär­kung auf die Augen­deckel gestri­chen. Als Frisch­pflan­zen­tink­tur täg­lich 3 x 8–10 Trop­fen für eini­ge Wochen ein­neh­men oder als Tee mit l/2 Tee­löf­fel Kraut pro Tas­se Was­ser (2x täg­lich trin­ken). In der Homöo­pa­thie wird Schöll­kraut auch zur Behand­lung von Ent­zün­dun­gen der Atem­or­ga­ne sowie bei Rheu­ma­tis­mus und all­ge­mei­nen Ent­zün­dun­gen eingesetzt.

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